Lieber Jochen, seit Tagen regnet es, so könnten die Anfänge der Sintflut ausgesehen haben Heute morgen zeigte der Regenmesser 35 mm. An unserem ersten Morgen der Krötenrettung (eine Woche lang morgens und abends) hat unser Wecker den Dienst versagt, was für ein Anfang! Zum Glück war ich schon länger wach und hatte beschlossen aufzustehn, als ich die Panne bemerkte. Dann die Überrschung am Krötenzaun. Etliche Eimer waren vollgelaufen, am Grunde befanden sich zum Teil mehrere Kröten, die wir mit den Händen herausangelten, und als wir die Eimer auskippten, war ihr Erdloch ebenfalls vollgelaufen, also Eimer über den Löchern umgestülpt, damit keine Tiere im nachregnenden Wasser um ihr Leben kämpfen mussten 24 Männchen, 2 Weibchen, 8 Pärchen haben wir auf die sichere andere Straßenseite gebracht, bei strömendem Regen. An manchen Stellen hatte sich um den Zaun - eine etwa 30 cm hohe Wand aus Kunststoffgewebe - schon ein kleiner See gebildet. Das haben wir noch nie erlebt in den 5 oder 6 Jahren un= seres Einsatzes. In einem Eimer fand Bernd eine ertrunkene Spitzmaus. Jetzt lassen wir die meisten Eimer erst einmal umgestülpt und pflücken die Tierchen von der Erde direkt hinter dem Zaun, an dem sie auf der Suche nach einem Durchgang entlang wandern werden. Heute abend ist der nächste Einsatz. Die Kröten, auch die Frösche und Molche natürlich, finden dieses Wetter ja prima. Die meisten wandern ab Abenddämmerung bis etwa Mitternacht, die Nachzügler finden wir dann morgens. Aber das kann Dich ja wirkich nicht sonderlich interessieren. Du hast übergenug Mühe mit der Alltagsbewältigung. Wie schaffst Du es denn einzukaufen? Und die Treppen im Haus sind sicher sehr mühselig. Bekommst Du Hilfe von nebenan? Vielleicht gibt es Menschen, die Dir gern helfen würden? Deine Eltern hatten es da besser, scheint mir, Du hast dafür gesorgt, dass sie umsorgt wurden, und Deine Frau hast Du selber pflegen können Wer weiß, wie lange es mit uns noch so geht. Tiere machen sich um dergleichen weniger Sorgen. Jetzt werde ich aber gleich die Futterspender nachfüllen, denn es herrscht reges Gewusele. Die zumindest scheinbare Unbekümmertheit und Lebendigkeit der Vögel steckt immer ein bisschen an, man sieht ja nicht, wenn sie die Stirn in Sorgenfalten legen oder schreckensbleich werden. Gerade regnet es mal nicht, also ans Werk! Dir wünschen wir alles Gute und immer mal wieder ein kleines Wunder! Deine Gertraud und Bernd